Brand Sülfeld

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27. Juli 2011
| Wolfsburger Dörfer | von Stefanie Knostmann

Voller Körpereinsatz war gestern im ausgebrannten Schweinestall in Sülfeld. Arbeiter entsorgten die rund 1000 Kadaver. Offen bleibt am vierten Tag nach dem Feuer die Frage, wie es um den Brandschutz bestellt war. Der Stall war nach Angaben der Feuerwehr nicht begehungspflichtig.

Ohne Angst und ohne Ekel

Arbeiter ziehen tote Schweine aus dem Stall – Ermittler befragen Elektriker

Brand in Sülfeld

Sülfeld - Gestern um 8 Uhr kamen die Leute fürs Grobe. Ohne Schutzanzüge und Mundschutz, lediglich mit Arbeitsoveralls bekleidet, holten 20 Mitarbeiter einer Fachfirma aus Friesoythe die Schweinekadaver aus der Ruine des durch ein Großfeuer zerstörten Maststalls in Sülfeld.

Dass die Polizei und das Technische Hilfswerk Asbest in dem Gebäude vermuten, bereitete Firmenchef Stefan Hilker keine Sorge. „Die Asbestteile haben wir nicht berührt“, sagte er. Die Arbeiter, die sonst als Erntehelfer beschäftigt sind, zeigten weder Angst noch Ekel – fast fröhlich zogen sie an Drahtschlingen ein totes Schwein nach dem anderen aus dem Gebäude. „Die haben schon schlimmeres gesehen“, sagte Hilker trocken. Gegen 18 Uhr hatten die meisten Kadaver ihre letzte Reise zu einer Tierverarbeitungsfirma in Genthin (Sachsen-Anhalt) angetreten und Hilker war zuversichtlich, dass der Stall um 20 Uhr geräumt sein würde.

Auch die Brandermittler des 1. Fachkommissariats waren gestern vor Ort. Ermittlungsleiter Harry Sack ließ sich von dem Elektriker des Mastbetriebs die Technik des Stalls erläutern. Die Polizei plant nach wie vor, einen Sachverständigen hinzuzuziehen. Die Berufsfeuerwehr weiß nach Angaben ihres Pressesprechers Marco Nicolai nichts darüber, wie es in dem Stall um den Brandschutz bestellt war. „Der Stall wurde nie als begehungspflichtiges Objekt eingestuft und von uns nie begangen“, sagte er. Begehungsplichtig seien nach dem Niedersächsischen Brandschutzgesetz Einrichtungen mit einem erhöhten Brandrisiko, großen Besucherströmen oder hohen Sachwerten. Bei dem Stall hätte kein Grund für Begehungen bestanden. „Wir beschränken uns auf die Gebäude, wo es wirklich sein muss.“